Der Bär. Oder Fake News.

Sie hat auch mich berührt, die Geschichte von dem kleinen Jungen, der drei Tage im Wald verschwunden war und in der Zeit von einem Bären beschützt wurde. Die Nachricht ist anders, sie regt zum Phantasieren an. Kann die Geschichte wahr sein?

Der Junge spielt mit seinen Geschwistern, gedankenversunken baut er ein kleines Boot aus Stöcken und Zweigen in einer Pfütze. Er stöbert am Waldrand nach Stöckchen, gerade müssen sie sein und dürfen keine Blätter haben. Der hier ist es nicht, zu krumm und der Stock auch nicht. Da hinten, der könnte passen. Er läuft weiter und findet den ersten passenden und einen zweiten, möchte mehr. Die Hände voller Schätze, wacht er aus seiner Konzentration auf und schaut sich um. Bäume, Büsche, Laub. Kein Weg. Es stört ihn nicht, er läuft zurück zum Haus. Aber das Haus ist nicht mehr da, seine Geschwister sind nicht mehr da. Er läuft weiter, noch ist er ruhig. Da vorne der Baum kommt ihm bekannt vor. Seine Kostbarkeiten fest umklammert hüpft und springt er weiter. Hinter dem Baum kein Haus. Nun wäre er froh, wenn Oma käme oder seine Geschwister. Er ruft nach ihnen. Nichts, keine Antwort. Lauter. Er lässt die Stöcke fallen und rennt los, läuft so lange bis er nicht mehr kann. Fällt hin und bleibt liegen, weinend.

Und dann? Wie geht es weiter mit unserem kleinen Helden? Er rappelt sich auf und schaut sich um, merkt wie hungrig er ist. Was hat er gegessen? Es ist Winter, es hängen keine Früchte an den Sträuchern.

Der Bär. Der Bär hört das Rufen des Jungens, neugierig pirscht er sich näher heran. Das Kind sitzt auf einem Baumstamm, Tränen laufen an seinen Wangen runter. Der Bär streckt sich, schnüffelt und reckt seine Nase bis an den kleinen Menschen. Schleckt vorsichtig durch das Gesicht. Der Junge hat keine Angst. Der Bär ist warm und weich, erleichtert kuschelt sich der Knirps in das Fell.

Nein, das ist unreal. Es sind gut gemachte Fake News, sprechen genau das in uns Menschen an, was wir gern glauben würden: Es kommt Hilfe, wenn man es am wenigsten erwartet. Es geschehen Wunder. Alles wird gut.

Ich bin gespannt auf die Auflösung – wenn es eine gibt.

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